Der Engel mit dem Schneckenhaus
Eine poetische Alchemie des Wassers
Wasser kann groß sein: ein Ozean, von den Gestirnen bewegt. Es kann allerdings auch an einem Zweig zusammenlaufen zu Form und Größe eines Tropfens. Blickt man in eine solche Wasserkugel, so umschließt sie je nach Umgebung eine Blume, einen Baum oder auch eine Landschaft, inklusive des blauen Himmels und weißer Wolken: Im Kleinen, einem nur wenige Millimeter messenden Tropfen, findet sich das Große; könnte man ihn ins Weltall versetzen, so fände die ganze Erde Platz in ihm.
Die in den Meeren lebenden Schnecken und Muscheln verfestigen die Bewegungstendenzen des Wassers und erbauen ihre Gehäuse nach mathematischen Gesetzmäßigkeiten: Welle, Wirbel und Mäander werden so zu Formen, deren Maße den Goldenen Schnitt in sich tragen, ein Zahlenverhältnis, das die gesamte Natur durchzieht.
Bereits vor 700 Jahren übertrug ein Künstler diese erstaunliche Tatsache in ein Bild: Er zeichnete die Sonne, den Mond und die Sterne in die Windungen eines Schneckenhauses und malte einen Engel, der diesen Kosmos trägt.
von Hartmut Lux
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